Es wird sich einer der großen Software-Anbieter durchsetzen

Wie die Corona-Krise die Unternehmenskultur, die Kommunikation mit Mitarbeiter:innen und Kund:innen langfristig verändern wird und wer davon profitiert.

Sanaz Jalayer ist selbstständige Unternehmensberaterin mit Fokus auf Banking, Technologie und Digitalisierung. Im Interview mit Kryptoszene.de erzählt sie, wie die Corona-Krise die Unternehmenskultur, die Kommunikation mit Mitarbeiter:innen und Kund:innen langfristig verändern wird und wer davon profitiert.

Die Kernaussagen im Überblick:

  • Viele Unternehmen wollen Home-Office langfristig beibehalten
  • Home-Office-Kultur gibt IT-Branche weiteren Auftrieb
  • Corona-Krise hat Prozesse beschleunigt, die schon in Gang waren
  • Konzept der durchgehenden Automatisierung fehlt bis dato
  • Es wird sich einer der großen Software-Anbieter durchsetzen

Die IT Branche ist eine der Branchen, die von der Krise plötzlich sehr stark profitiert hat. Wird sich dieser Trend halten?

Ich denke, dass sich vieles halten wird. Die IT-Branche ist ja eine Enabler-Branche, also ganz platt gesprochen „Infrastruktur“. Alles, was wir in IT machen, ist ja kein Selbstzweck, sondern soll am Ende das Geschäftsmodell und die Profitabilität von Unternehmen stärken. Viele Unternehmen wollen jetzt auch das Home-Office langfristig beibehalten. Die Mitarbeiter müssen nun mehr begründen, warum sie ins Büro kommen wollen und nicht mehr, warum sie ins Home-Office gehen. Man darf ja nicht vergessen, dass die Firmen durch die dadurch mögliche Einsparung von Bürofläche sehr viel Geld sparen.

Profitieren also auch Unternehmen, die nicht direkt in der IT-Branche verankert sind, aber durch das Home-Office Geld sparen?

Ja. Gerade hier in Frankfurt sind die Büromieten sehr hoch und für viele Unternehmen ging es schon vorher darum, die Büroflächen möglichst zu reduzieren. So gesehen habe ich den Eindruck, es kam vielen Managern gelegen, dabei Einsparungen erzielen zu können.

Hat das also in einen Trend reingeschlagen, der schon vorher da war?

Ja, es war im Grunde technisch vieles möglich, nur kulturell nicht. Und dieser Corona-Push hat dafür gesorgt, dass Führungskräfte gezwungen waren, die Leute ins Home-Office zu schicken.

Die Coronakrise hat also Prozesse beschleunigt, die in den nächsten Jahren ohnehin passiert wären?

Ja, aber das sind Prozesse, die vielleicht eher in den nächsten Jahrzehnten passiert wären. Der Push ist schon unglaublich. Das liegt auch daran, dass manche Führungskräfte das Home-Office nie erlaubt hätten. Wahrscheinlich hätte man warten müssen bis diese bestimmte Kohorte in Rente geht.

Was wird sich also langfristig halten und was wird sich zurückdrehen?

Alle Themen innerhalb von Unternehmen rund um Zusammenarbeit, Unternehmenskultur und Organisationsstrukturen werden sich halten. Was das Kundenverhalten anbetrifft: Wenn die Leute etwas einkaufen mussten, dann waren sie während des Lockdowns zum Teil gezwungen, das auf den digitalen Weg zu verlagern. Also gab es einen Push für den Online-Handel, der womöglich bleibt. Aber die Finanzbranche ist eine spezielle Branche. Da sind die Kunden trotz Corona resistenter und langfristig orientiert. So einen Sparplan schieben sie halt mal auf, bis der Berater wieder ansprechbar ist.

Wird in Unternehmen auf die drei oder vier großen Software-Anbieter gesetzt, oder werden kleinere Unternehmen beauftragt?

Dieses aktuelle Sammelsurium aus Teams, Webex, Zoom und den anderen wird nicht dauerhaft bleiben, sondern es wird sich einer oder maximal zwei der großen Software-Anbieter durchsetzen.  Es hat sich noch nicht so ganz herauskristallisiert, ich würde auf Teams tippen, aber irgendwann wird es wohl einen Tipping Point zu einer Software geben.

Hier geht es zum ausführlichen und ungekürzten Interview

 

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