Investoren und Käufer bewerten digitale Versicherungsanbieter inzwischen deutlich stärker nach Profitabilität, Bilanzrisiken und Kapitalbindung.

Die Zeit hoher Bewertungen allein für Wachstum und Technologie ist im InsurTech-Markt vorbei. Investoren und Käufer bewerten digitale Versicherungsanbieter inzwischen deutlich stärker nach Profitabilität, Bilanzrisiken und Kapitalbindung. Während schwächere Modelle unter Druck geraten, profitieren vor allem Anbieter, die Technologie mit wirtschaftlicher Versicherungslogik verbinden können. Thorsten Hackspiel, Managing Partner bei ox8 Corporate Finance, erklärt, warum die Branche vor einer neuen Konsolidierungsphase steht.

Berlin, 12.05.2026. Digitale Versicherungsanbieter stehen unter deutlich höherem wirtschaftlichem Druck als noch vor wenigen Jahren. Investoren und strategische Käufer bewerten Geschäftsmodelle inzwischen stärker nach Profitabilität, Schadenquoten und Kapitalbedarf als nach Wachstum und Reichweite. „Der Markt ist nicht ernüchtert, sondern gereift“, berichtet Thorsten Hackspiel, M&A-Berater und Managing Partner bei ox8 Corporate Finance. Technologie allein reicht nicht mehr – entscheidend ist die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Versicherungsgeschäfts.  Für viele InsurTechs verändert das die Voraussetzungen für Finanzierungen und M&A-Transaktionen grundlegend. Während kapitalintensive Modelle zunehmend unter Druck geraten, profitieren Anbieter, die Versicherern operative Effizienz, bessere Risikosteuerung oder technologische Infrastruktur liefern können. Dazu zählen etwa Lösungen für Schadenbearbeitung, Underwriting, Betrugserkennung oder Embedded-Insurance-Modelle, die Versicherungen direkt in digitale Kaufprozesse integrieren. Besonders deutlich wird dieser Wandel bei der Frage, nach welchen Kriterien Investoren und Käufer InsurTechs heute überhaupt noch bewerten.

Käufer wollen belastbare Zahlen statt Wachstumsversprechen

In der Hochphase des Marktes wurden viele digitale Versicherungsmodelle noch wie Softwarefirmen bewertet. Entscheidend waren Wachstum, Nutzerzahlen und die Aussicht auf schnelle Skalierung. Inzwischen prüfen Investoren und strategische Käufer deutlich genauer, welches Geschäftsmodell tatsächlich hinter dem Wachstum steht. „Wer eigenes Versicherungsrisiko übernimmt, wird heute an völlig anderen Maßstäben gemessen als ein B2B-Softwareanbieter ohne Bilanzrisiko“, erklärt der M&A-Berater Hackspiel. Plattform- und Softwareanbieter mit wiederkehrenden Erlösen werden weiterhin primär anhand typischer Software-Kennzahlen wie Umsatzqualität, Skalierbarkeit und Margenpotenzial bewertet. Risikotragende Digitalversicherer dagegen folgen zunehmend der Bewertungslogik traditioneller Versicherer, bei denen Kapitalrendite, Schadenquoten und Bilanzrisiken im Vordergrund stehen. Entsprechend gewinnen versicherungstechnische Kennzahlen wieder deutlich an Bedeutung: Profitabilität, Combined Ratio, Schadenquoten und Kapitalbedarf stehen heute stärker im Fokus als reines Wachstum. Besonders relevant wird dabei die operative Profitabilität. „Investoren bewerten heute deutlich stärker, ob Wachstum tatsächlich zu besseren Margen führt“, berichtet Thorsten Hackspiel. „Die EBITDA-Marge ist inzwischen häufig wichtiger als reines Umsatzwachstum.“ Besonders Gründerteams, die in Gesprächen mit Investoren weiterhin vor allem auf Vision und Skalierung setzen, geraten dadurch unter Druck. „Wer die versicherungstechnische Belastbarkeit seines Geschäftsmodells nicht glaubwürdig erklären kann, verliert schnell an Vertrauen“, so der Experte.

Anbieter ohne operative Relevanz geraten unter Druck

Die Marktbereinigung der vergangenen Jahre zeigt bereits, welche Modelle besonders anfällig sind: Anbieter mit eigener Bilanz, hohen Vertriebskosten im B2C-Geschäft und geringer operativer Differenzierung. Gleichzeitig profitieren Anbieter, die Versicherern konkrete  Effizienzgewinne liefern. Dazu zählen Technologien für Risikoprüfung, Schadenbearbeitung, Betrugserkennung, Datenanalyse oder Prozessautomatisierung.  Auch Embedded-Insurance-Modelle, bei denen Versicherungen direkt in digitale Kaufprozesse integriert werden, sowie kapitalarme Geschäftsmodelle, die Risiken strukturiert weitergeben und dadurch deutlich skalierbarer sind, gelten im aktuellen Marktumfeld als vergleichsweise robust. Der Markt bewertet digitale Anbieter deshalb zunehmend danach, welchen operativen Mehrwert sie innerhalb der Versicherungswertschöpfung schaffen. Übernahmen werden weniger von Reichweite oder Umsatzmultiples getrieben als von der Frage, wer Zugang zu relevanten Daten, Prozessen und Kundenschnittstellen kontrolliert. Besonders attraktiv sind Modelle, die tief in Kernprozesse integriert sind und dadurch hohe Wechselkosten sowie nachhaltige Kundenbindung schaffen. „Die spannendsten Transaktionen entstehen dort, wo ein Anbieter für Versicherer operativ unverzichtbar wird“, betont Hackspiel.

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Wer nicht vorbereitet ist, wird austauschbar

Für viele Unternehmen im digitalen Versicherungsmarkt entsteht daraus ein strategisches Problem. Gründerteams beginnen häufig erst dann mit der Vorbereitung auf Finanzierungsrunden oder Verkaufsprozesse, wenn der Kapitalbedarf bereits sichtbar wird oder erste Käufer anklopfen. Im aktuellen Marktumfeld ist das meist zu spät. Käufer prüfen Geschäftsmodelle heute deutlich tiefer als noch vor wenigen Jahren. „Transaktionsfähigkeit entsteht nicht erst im Verkaufsprozess. Sie entsteht Monate vorher – durch belastbare Zahlen, eine nachvollziehbare Risikologik und eine klare strategische Positionierung“, mahnt der M&A-Experte. Entscheidend sei außerdem, den potenziellen Käuferkreis nicht zu eng zu denken. Neben klassischen Finanzinvestoren kommen zunehmend etablierte Versicherer, Rückversicherer, Softwareplattformen oder spezialisierte Dienstleister als Käufer infrage. Sie erwerben gezielt Kompetenzen und Technologien, um operative Effizienz, Risikosteuerung und Prozessqualität in der Versicherungsbranche zu verbessern. Nach Einschätzungen von ox8 steht der digitale Versicherungsmarkt deshalb vor einer weiteren Konsolidierungsphase. Erwartet wird eine Marktstruktur mit weniger, dafür aber deutlich stärkeren Anbietern. Die Entwicklung der Branche folgt dabei einem klaren Reifungsprozess: Während viele InsurTechs in der frühen Marktphase vor allem auf Disruption und schnelles Wachstum setzen, rückt heute die Zusammenarbeit mit etablierten Versicherern in den Vordergrund – mit dem Ziel, messbare Effizienzgewinne und wirtschaftlichen Mehrwert zu erzielen. Statt klassische Anbieter verdrängen zu wollen, entwickeln sich viele InsurTechs zunehmend zu Technologie- und Infrastrukturpartnern der Branche. Erfolgreich dürften vor allem Unternehmen sein, die konkrete Probleme der Versicherungswirtschaft lösen, etwa in der Risikoprüfung, Schadenbearbeitung oder Kostenstruktur. Der Markt selektiert nicht nach Technologieversprechen, sondern nach wirtschaftlicher Relevanz innerhalb der Versicherungswertschöpfung”, fasst Thorsten Hackspiel zusammen. „2026 markiert keinen Rückzug aus dem InsurTech-Markt, sondern den Übergang in eine Phase professioneller, tragfähiger Geschäftsmodelle.”

ox8 Corporate Finance wurde 2018 von erfahrenen M&A-Experten gegründet und ist eine unabhängige Corporate Finance Boutique mit Sitz in Frankfurt. Das Unternehmen begleitet technologie- und wachstumsorientierte Mittelständler in der DACH-Region bei Finanzierungs- und Verkaufsprozessen. Dabei berät ox8 auf der Verkäufer- und Käuferseite (Sell-side und Buy-side) bei Fusionen und Übernahmen (M&A) sowie bei der Kapitalbeschaffung (Growth Capital) für innovative und skalierbare Unternehmen.

Das Unternehmen versteht sich als Berater auf Augenhöhe für visionäre Unternehmer, leidenschaftliche Manager sowie strategische Käufer und Finanzinvestoren. Die Beratung ist unabhängig von der Größe der Transaktion stets maßgeschneidert und auf die Bedürfnisse des jeweiligen Mandanten ausgerichtet. Fundierte Branchenexpertise, ein langfristig gewachsenes, internationales Netzwerk und eine erstklassige Transaktionsabwicklung mit umfassender Betreuung durch erfahrene Berater bilden die Grundlage für höchste Standards in Kundenorientierung und Qualität – und spiegeln sich in der außerordentlich hohen Erfolgsquote der von ox8 betreuten Transaktionen wider.

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