Sanktionen gegen den Iran dürften Ölpreis ansteigen lassen

Studie simuliert Effekte der neuen US-Sanktionen gegenüber dem Iran auf den Ölpreis – Preiseffekte sind in den meisten Szenarien moderat.

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Studie simuliert Effekte der neuen US-Sanktionen gegenüber dem Iran auf den Ölpreis – Preiseffekte sind in den meisten Szenarien moderat, selbst bei voller Wirksamkeit der Sanktionen liegt der Anstieg unter 20 US-Dollar pro Fass – Auf Angebots- und Nachfragseite herrscht auf dem Ölmarkt beträchtliche Unsicherheit

Am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) wurde untersucht, wie sich die Anfang November in Kraft getretenen neuen US-Sanktionen gegenüber dem Iran im Jahr 2019 auf den globalen Ölpreis auswirken könnten. Es ergeben sich dabei je nach untersuchtem Szenario Preissteigerungen zwischen null und 16 US-Dollar pro Fass.

„Wenn die iranischen Ölexporte völlig wegbrechen, würde das den Ölpreis zum Niveau zurücktreiben, den er Anfang des Jahrzehnts hatte. Allerdings spielen viele Unsicherheiten über geopolitische Einflussfaktoren und Marktentwicklungen eine Rolle“ erklärt Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin und Autorin der Studie.

Aleksandar Zaklan, Dawud Ansari und Claudia Kemfert haben in ihrer Studie vier Szenarien simuliert. Im Referenzszenario kann der Iran weiter seine gesamte Produktion exportieren, zum Beispiel weil die Ausnahme für die wichtigsten Importeure iranischen Öls, die momentan gelten, verlängert werden und diese acht Länder die gesamten iranischen Exporte abnehmen; im Szenario A wird angenommen, dass der Iran trotz Sanktionen 20 Prozent seiner Förderkapazitäten exportieren kann, zum Beispiel weil ein wichtiger Abnehmerland das US-Embargo ignoriert; Szenario B nimmt den vollständigen Ausfall der iranischen Exporte an; im vierten Szenario (C) bauen die USA ihre Schieferölkapazitäten so aus, dass die Schieferölproduktion den Ausfall des Irans als Ölexporteur ausgleicht.

Erwartungsgemäß hat Szenario B den größten Effekt auf den Ölpreis: Dieser steigt im Modell um 16 Dollar (23 Prozent) auf knapp 90 US-Dollar pro Fass Brent und nähert sich so seinem Preisniveau in den Jahren 2010 bis 2014. Im Referenzszenario, in dem die Sanktionen de facto nicht greifen, ist der Ölpreis nahezu unverändert, bei Szenario A liegt der Preiseffekt bei zehn US-Dollar pro Fass (14 Prozent), bei Szenario C bei rund sechs US-Dollar pro Barrel.

Verschiedene Umstände, wie die simulierte Kapazitätsausweitung der USA und eine unvollständige Durchsetzung der Sanktionen, aber auch eine (hier nicht simulierte) schwächere Koordination der OPEC-Mitglieder, können das globale Angebot an Erdöl aufrechterhalten. Es ist daher anzunehmen, dass die maximale simulierte Preissteigerung (Szenario B) ausbleibt und sich stattdessen nur moderate Steigerungen durchsetzen.

„Grundsätzlich sind die Preiseffekte eines Embargos auf iranischen Öl begrenzt, einerseits weil die inländische Nachfrage im Iran hoch ist und das Land im Vergleich zu anderen Produzenten der Region weniger ein Ölexportland ist, und andererseits weil andere Förderländer den Ausfall des Irans als Exporteur zum Teil kompensieren würden,“ so Energieökonom Aleksandar Zaklan. „Auch eine Ausweitung der Schieferölproduktion in den USA würde den Preiseffekt mindern.“

Ölverbrauch muss deutlich reduziert werden

Unabhängig von den Sanktionen gegenüber dem Iran herrscht auf dem Ölmarkt sowohl auf Angebots- als auf Nachfrageseite beträchtliche Unsicherheit.

„Wir haben bei unseren Simulationen unterstellt, dass die Nachfrage weiter so wächst, wie es in den vergangenen Jahren der Fall war. Aber es zeichnet sich gerade eine leichte Abkühlung der Weltwirtschaft ab, die die Ölnachfrage, und somit auch die Preise, dämpfen könnte“ gibt Ölexperte Dawud Ansari zu bedenken.

„Unabhängig davon, wie sich geopolitisch bedingt das Angebot und wie sich die Preise entwickeln, muss weltweit auf eine deutliche Reduzierung des Ölverbrauchs hingearbeitet werden. Das ist ein wesentlicher Baustein zum Erreichen der globalen Klimaziele, die wir niemals aus den Augen verlieren sollten“, so Claudia Kemfert.

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