Wer hierzulande ein Unternehmen gründet, kann aus einer Fülle unterschiedlicher Rechtsformen vom Einzelunternehmer bis zur Aktiengesellschaft wählen.

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Wer hierzulande ein Unternehmen gründet, kann aus einer Fülle unterschiedlicher Rechtsformen vom Einzelunternehmer bis zur Aktiengesellschaft wählen. Eine jener Varianten, die dabei am seltensten gewählt wird, ist die sogenannte Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Doch worum handelt es sich dabei eigentlich genau und in welchen Fällen ist es sinnvoll, diese Rechtsform zu wählen. Die Antworten dazu finden sich in diesem Beitrag. 

Was ist eine Kommanditgesellschaft auf Aktien?

Bei der Kommanditgesellschaft auf Aktien handelt es sich um eine Rechtsform, die sowohl typische Elemente einer Aktiengesellschaft als auch einer Kommanditgesellschaft enthält. 

Gesetzlich wird sie der Kategorie der Kapitalgesellschaften zugeordnet, obwohl sie zum Teil auch Merkmale einer Personengesellschaft aufweist. 

Denn wie bei einer „normalen“ Kommanditgesellschaft gibt es dabei Komplementäre, die persönlich haften sowie Kommanditisten, die nur mit der Höhe ihrer Einlage haftbar gemacht werden können. Die Kommanditisten werden bei der KGaA jedoch als Kommanditaktionäre bezeichnet, da in diesem Fall ihre Unternehmensbeteiligung aus Aktien besteht. 

Die KGaA hat jedoch auch sehr viel mit einer „normalen“ Aktiengesellschaft gemeinsam. So muss beispielsweise genauso wie bei einer AG auch bei einer KGaA das Grundkapital mindestens 50.000 Euro betragen. Zudem besteht das Unternehmen aus einem Vorstand, einem Aufsichtsrat und einer Hauptversammlung. Der Vorstand besteht in diesem Fall aus den Komplementären, der Aufsichtsrat aus den Kommanditisten. 

Die entscheidende Frage in diesem Zusammenhang lautet: Warum soll sich ein Unternehmer für dieses komplizierte Gerüst entscheiden? 

Was sind die Vorteile einer KGaA?

Die Gründung einer KGaA ist nicht immer sinnvoll, doch in manchen Konstellationen kann sie durchaus eine gute Idee sein. Im Besonderen eignet sie sich vor allem für Familien, die die Kontrolle über ihr Unternehmen nicht verlieren möchte, gleichzeitig aber auf fremdes Kapital angewiesen sind. 

Denn die Vorteile einer Kommanditgesellschaft auf Aktien kommen hier voll zum Tragen. Dazu gehört vor allem, dass die Gründung im Vergleich zu einer Aktiengesellschaft einigermaßen unkompliziert ist und in der Satzung im wesentlichen Gestaltungsfreiheit besteht. 

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Zudem lässt sich durch die Kommanditaktionäre relativ einfach und schnell Kapital beschaffen, ohne dass dabei die Gefahr besteht, dass die grundsätzliche Ausrichtung und die aktuelle Strategie des Unternehmens verändert werden müssen. Denn trotz der großen Kapitaleinlagen bleiben alle Kontrolleinflüsse stets bei den Komplementären des Unternehmens. 

Im Vergleich zu einer herkömmlichen Aktiengesellschaft gilt die KGaA als sehr übernahmeresistent, da das Stimmrecht nicht an den Anteil am Kapitalvermögen gebunden ist. Das bedeutet: Selbst bei einer Übernahme der Mehrheit der an der Börse gehandelten Aktien bleibt die Kontrolle im Unternehmen bestehen. 

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Die KGaA bringt nicht nur Vorteile

Wo Licht ist, da findet sich zumeist auch Schatten. Das ist auch bei einer Kommanditgesellschaft auf Aktien der Fall. Denn der Komplementär kann dabei persönlich mit seinem Privatvermögen haftbar gemacht werden. 

Zudem sind Kommanditisten nicht immer bereit, ein hohes Investment zu tätigen, wenn sie in weiterer Folge nur einen sehr geringen Einfluss auf die Geschäftsführung ausüben können.

Im Vergleich zu Personengesellschaften oder einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist darüber hinaus die Gesellschafterstruktur für Außenstehende oftmals sehr undurchsichtig und die Gestaltung der Buchhaltung wesentlich aufwendiger.

Wer sich davon nicht abhalten lässt, findet jedoch in manchen Fällen mit der KGaA seine ideale Rechtsform. Das zeigen auch die erfolgreichen Praxisbeispiele.

Bei vier Unternehmen aus dem DAX handelt es sich um KGaAs

In den vergangenen Jahren hat die KGaA zunehmend an Bedeutung gewonnen. Ein Beweis dafür ist unter anderem die Tatsache, dass mit Fresenius SE & Co. KGaA, Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA, Merck KGaA und Henkel AG & Co mittlerweile vier Unternehmen im DAX diese Rechtsform gewählt haben. 

Insgesamt gab es im Jahr 2020 laut dem Statistischen Bundesamt 134 Unternehmen in Deutschland, die als Kommanditgesellschaft auf Aktien betrieben werden. Im Vergleich zu den mehr als 500.000 Gesellschaften mit beschränkter Haftung ist das aber freilich noch ein sehr geringer Anteil.

Eines jener Unternehmen, die sich dafür entscheiden haben, ist die Merck-Gruppe. Die Merck KGaA wurde im Jahr 1995 gegründet und führt das operative Geschäft der Merck-Gruppe. Die Familie hält dabei als Komplementär die Mehrheit des Kapitals, während das restliche Kapital von Kommanditaktionären gehalten und an der Börse gehandelt wird. Mit dieser Konstellation bleibt der Einfluss der Familie weiterhin bestehen, während gleichzeitig frisches Kapital in das Unternehmen fließt.

 

 

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