Der wahre Grund fĂŒr den Twitter-Kauf und die Rolle von KryptowĂ€hrungen.

Elon Musk

Die Kernaussagen des Beitrages, den Sie hier im Original finden, im Überblick:

  • Elon Musk gibt an, mit Twitter-Kauf Meinungsfreiheit stĂ€rken zu wollen
  • TatsĂ€chlich könnte er Twitter vor allem als Wegbereiter fĂŒr Super-App nach dem Vorbild WeChat sehen
  • Donald Trump ist froh, dass Twitter jetzt “in vernĂŒnftigen HĂ€nden ist”
  • Krypto-Börse Binance mit 500 Millionen US-Dollar an Twitter-Übernahme beteiligt
  • Binance befindet sich bereits in der Planungsphase fĂŒr ein Team zur Entwicklung von Krypto-Produkten eigens fĂŒr Twitter
  • Massiver Kursanstieg beim Dogecoin, der von Elon Musk bevorzugten KryptowĂ€hrung

Verteufelt, vergöttert: Elon Musk polarisiert wie kaum ein Zweiter. Besonders deutlich wurde dies nach seiner Twitter-Übernahme, der 44-Milliarden-Deal schlug hohe Wellen: wĂ€hrend die einen den Kurznachrichtendienst befreit und die Meinungsfreiheit gestĂ€rkt sehen, kehren die anderen Twitter den RĂŒcken zu, und weichen auf alternative Plattformen aus. Doch allen Diskussionen zum Trotz, noch ist den Wenigsten bewusst, wie einschneidend die Übernahme tatsĂ€chlich sein könnte.

„The bird is free„: mit diesen Worten verkĂŒndete Elon Musk den Twitter-Kauf. Musk hatte seine Ambitionen zuvor stets mit dem Anliegen begrĂŒndet, die Redefreiheit stĂ€rken zu wollen – jene, die er zunehmend eingeschrĂ€nkt sieht, beispielsweise aufgrund verhĂ€ngter Sperren. Prominentester Leidtragender hiervon dĂŒrfte der ehemalige US-PrĂ€sident Donald Trump sein, Anfang des vergangenen Jahres erklĂ€rte Twitter, dass das Unternehmen den Account von Trump dauerhaft gesperrt habe. Dieser wiederum zeigte sich ob der jĂŒngsten Übernahme sichtlich erfreut.

„Ich bin sehr froh, dass Twitter jetzt in vernĂŒnftigen HĂ€nden ist und nicht mehr von linksradikalen Spinnern und VerrĂŒckten gefĂŒhrt wird, die unser Land wirklich hassen„, so Trump. Im Mai hatte Elon Musk seinerzeit mit der AnkĂŒndigung fĂŒr Furore gesorgt, dass er Trumps Verbannung von Twitter zurĂŒcknehmen wolle.

Die wahren GrĂŒnde

Es ist nicht auszuschließen, dass es Musk tatsĂ€chlich darum geht, den in seinen Augen eingeengten Diskurs-Raum zu weiten. Seine in der Vergangenheit getĂ€tigten Äußerungen lassen es jedoch naheliegend erscheinen, dass die Hauptmotivation eine andere ist.

Vielmehr verfolgt er das Ziel, Twitter zu erweitern, und zwar in einem solchen Ausmaß, dass der Kurznachrichtendienst nicht mehr wiederzuerkennen sein wird. „Der Kauf von Twitter beschleunigt die Entwicklung von X, der Alles-App„, so Musk am 5. Oktober in einem Tweet. SpĂ€ter ergĂ€nzte er, dass der Kauf die nebulöse App X wahrscheinlich um 3 bis 5 Jahre beschleunigt habe.

In einer Fragerunde mit Twitter-BeschĂ€ftigten hatte Musk seine Ambitionen zuletzt etwas prĂ€zisiert: „Stellen Sie es sich wie WeChat in China vor, das jetzt großartig ist, aber es gibt kein WeChat-Äquivalent außerhalb von China [
] in China lebt man praktisch auf WeChat, weil diese App so hilfreich und nĂŒtzlich fĂŒr das tĂ€gliche Leben ist. Ich denke, wenn wir das mit Twitter erreichen oder auch nur annĂ€hernd erreichen, wĂ€re das ein Erfolg„.

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Und in der Tat: die Stellung von WeChat ist beachtlich. Technisch wie optisch mag die App an WhatsApp erinnern, doch ist sie dabei weit mehr als das. Sie bĂŒndelt etliche Funktionen in einem Paket, kann beispielsweise zum Online-Shopping genutzt werden. Auch der integrierte Bezahldienst, der in China von 600 Millionen Menschen genutzt wird, ist von zentraler Bedeutung. Nicht zuletzt aufgrund der enormen Datenmenge wird WeChat hĂ€ufig als mĂ€chtigste App der Welt bezeichnet. Die App ist im Reich der Mitte so wichtig, dass die Sperrung des WeChat-Kontos einem digitalen Tod gleichkommt, inklusive massiven EinschrĂ€nkungen fĂŒr das berufliche und private Leben. Ironischerweise nimmt sich Musk im Namen der Meinungsfreiheit eine App zum Vorbild, die in China ein wesentliches Element zur EinschrĂ€nkung der Meinungsfreiheit ist. Dass sich Musk WeChat in jederlei Hinsicht zum Vorbild nimmt, das darf zwar bezweifelt werden. Doch es könnte schon bald heißen: die Geister, die ich rief, werde ich nun nicht mehr los.

Twitter goes Krypto?

Die Entwicklung hin zu einer Super-App könnte dabei fĂŒr manche eine Gefahr werden. Zu denken ist beispielsweise an Tech-Konkurrenten, oder auch die Finanzbranche, so die Vorhaben von Musk nicht an Umsetzung und Regulatorik scheitern. Andere hingegen könnten stark profitieren. Zum Beispiel: die Krypto-Branche. Es kommt nicht von ungefĂ€hr, dass die Krypto-Börse Binance an der Übernahme von Twitter beteiligt ist. Konkret steuerte die Handelsplattform 500 Millionen US-Dollar fĂŒr den Kauf des Kurznachrichtendienstes bei. DarĂŒber hinaus befindet sich Binance in der Planungsphase fĂŒr ein Team zur Entwicklung von Krypto-Produkten eigens fĂŒr Twitter.

Dass der Markt die Ambitionen durchaus ernst nimmt, das zeigt ein Blick auf die Kursentwicklung vom Dogecoin (DOGE), jene DigitalwĂ€hrung, welche von Elon Musk bevorzugt und unterstĂŒtzt wird. Nahezu unmittelbar nach VerkĂŒndung des erfolgreichen Twitter-Deals schoss der Kurs in die Höhe, im 7-Tages-RĂŒckblick steht ein Plus von mehr als 101 Prozent. Viele scheinen die Adoption von Dogecoin in das Twitter-Netzwerk fĂŒr gut möglich zu halten, beispielsweise als Zahlungsmöglichkeit fĂŒr kostenpflichtige Dienstleistungen der Plattform. Nicht auszudenken, was passiert, wenn aus Twitter „X“ wird.

 

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