Banken verweigern digitale Geschäftsmodelle

Zwei Drittel der Banken wollen an ihrem bestehenden Geschäftsmodell festhalten. Nur 44% sehen sich veranlasst, ihre digitalen Angebote auszubauen.

Banking

Berlin (ots) – Zwei Drittel der Banken in Deutschland wollen an ihrem bestehenden Geschäftsmodell festhalten. Nur 44 Prozent sehen sich veranlasst, ihre digitalen Angebote auszubauen. An der Veränderungsfähigkeit allgemein wollen gerade mal 38 Prozent arbeiten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Procedera Consult. Befragt wurden 104 Fach- und Führungskräfte aus der Bankbranche.

Den größten Handlungsdruck verspüren die Institute derzeit bei den Kosten. 63 Prozent der Banken wollen weniger Geld für den Betrieb ausgeben. Mit 69 Prozent liegt der Anteil der Institute, die an den internen Abläufen etwas verändern wollen, zwar noch höher. Doch häufig zielen die geplanten Anpassungen bei Prozessen darauf ab, günstiger und schneller zu arbeiten oder den gesetzlichen Auflagen besser zu genügen. 27 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte bestätigen, dass viele Entscheider die Bankenaufsicht BaFin inzwischen als wichtigsten Kunden betrachten. “Der Endkunde genießt immer noch zu selten die höchste Aufmerksamkeit von Bankvorständen”, warnt Gisbert Beckmann, Geschäftsführer von Procedera Consult.

Besonders kritisch ist es um die Digitalisierung im Bankwesen bestellt. Aktuell arbeitet nur knapp ein Drittel der Institute an neuen Digitalangeboten. 16 Prozent, kaum jedes sechste Institut, ist mit der dringend notwendigen Modernisierung des Kernbanksystems beschäftigt. Gleichzeitig gilt die veraltete Technik als einer der größten Bremsklötze für die Digitalisierung. Probleme bereiten vor allem Prozesse, die sich wegen Beeinträchtigungen im Herzen der IT nicht durchgängig digital abbilden lassen. “Viele Institute arbeiten mit Behelfslösungen, die um das Kernbanksystem herum aufgebaut werden, um eine digitale Fassade aufzubauen”, so Beckmann. “Die Echtzeitbuchung auf dem Smartphone entpuppt sich häufig als ein in Umsystemen zwischengespeicherter Auftrag, der erst über Nacht in die zentrale Datenbank geschrieben wird.”

Beckmann vertritt die Ansicht, dass Banken jetzt damit beginnen sollten, intensiv Personal in IT und Betriebsorganisation aufzubauen. Künftig müssten die Institute vor allem bei den Prozessen und der Zusammenarbeit mit digitalen Partnern aufschließen. “Verglichen mit den USA stehen die deutschen Banken heute schlechter da als noch vor der Finanzkrise”, resümiert Beckmann. “Die Branche hierzulande war zu zaghaft und hat sich zu wenig selbst hinterfragt.”

Über die Studie

Im April und Mai 2018 hat Procedera Consult 104 Fach- und Führungskräfte aus der Bankbranche online zum Stand des Prozessmanagements befragt. Die Befragten stammen aus Instituten mit einer Bilanzsumme von mehr als 10 Mrd. Euro (8 Prozent), 5 bis 10 Mrd. Euro (33 Prozent), 1 bis 5 Mrd. Euro (50 Prozent) sowie weniger als 1 Mrd. Euro (9 Prozent). Sie arbeiten in den Abteilungen IT, Kundenservice, Kreditwesen, Vertrieb, Controlling, Interne Revision und Bankorganisation.

Über Procedera Consult

Procedera ist eine auf Organisationsfragen spezialisierte Unternehmensberatung für Banken und Sparkassen. Seit 2008 unterstützt das Unternehmen fachlich und technisch Organisationsbereiche von Kreditinstituten im Prozessmanagement sowie der Umsetzung regulatorischer Anforderungen. Die Markterfahrung bei der Analyse und Überarbeitung von Organisationshandbüchern reicht bis 1988 zurück. Als Umsetzungsberater beschäftigt Procedera Fachspezialisten, die zuvor selbst jahrelang Organisationsthemen auf Institutsseite verantwortet haben.

Original-Content von: Procedera Consult GmbH, übermittelt durch news aktuell

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