Martin Klatt ist zertifizierter Finanzplaner und Co-Founder der Finanz-Plattform Beyond Saving. Im Gespräch mit Kryptoszene blickt er auf die finanziellen Schwächen der Deutschen und gibt Tipps und Tricks zum sinnvollen Investieren.
Die Kernaussagen im Überblick:
- Deutsche bei finanzieller Bildung mit großem Aufholbedarf
- Private Finanzsituationen gehören zu den größten Stressfaktoren im Alltag
- Die meisten Bundesbürger parken ihr Geld weiterhin auf Sparkonten
- Deutsche mit vergleichsweise geringem Nettovermögen
- Häufiges Kaufen und Verkaufen von Assets ist einer der größten Renditekiller
Hallo Herr Klatt, Ihr schreibt auf Eurer Seite „Finanzbildung in Deutschland verdient ein Update.“ Sind die Deutschen wirklich solche Finanzmuffel?
Das mag auf den ersten Blick täuschen, weil Deutschland im internationalen Vergleich ein relativ wohlhabendes Land ist. Wenn man sich jedoch Umfragen zur Finanzbildung hierzulande anschaut, wird schnell klar, dass wir großen Aufholbedarf haben. Aus reiner Neugier beschäftigen sich die wenigsten mit Finanzen. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) ist die Steuererklärung der erste Berührungspunkt mit dem Thema. Das ist besorgniserregend, wenn man bedenkt, dass die private Finanzsituation zu den größten Stressfaktoren in unserem Alltag gehört.
Die meisten Bundesbürger parken einen Großteil ihrer Vermögen weiterhin auf Sparkonten – das zeigen Studien der Deutschen Bundesbank. Auch das ist ein Grund zur Sorge, denn die gesetzliche Rente allein wird im Alter für viele Menschen nicht ausreichen.
Sind die Deutschen denn finanziell gut aufgestellt? Wie sieht es im europäischen Vergleich aus?
In Sachen Finanzbildung führen Deutsche gemeinsam mit Spaniern die Rangliste der finanziellen Analphabeten an. Das zeigt eine Studie der ING DiBa, wonach über die Hälfte der Bundesbürger zugab, über keine finanzielle Grundlagenausbildung zu verfügen. Sprechen wir über reines Nettovermögen, so schneiden Deutsche im Vergleich mit den europäischen Nachbarn recht schlecht ab.
Welche Tipps und Tricks habt Ihr für den gewöhnlichen Kleinanleger parat?
Es ist wichtig, dass man sich frühzeitig mit der eigenen Geldanlage beschäftigt. Die meisten Menschen folgen blind vermeintlichen „Expertenmeinungen“ oder den Empfehlungen ihrer Bankberater, ohne die langfristigen Auswirkungen ihrer Entscheidungen zu verstehen. Sie müssen jedoch vielmehr ein Verständnis dafür entwickeln, was eine Aktie, ein ETF und überhaupt Risiko sind. Unser Tipp ist grundsätzlich: Breit in die Wertpapiermärkte investieren und mithilfe von ETFs auf verschiedene Regionen, Branchen und Anlageklassen setzen.
Gibt es typische Fehler, die unerfahrene Händler immer wieder begehen?
Häufiges Kaufen und Verkaufen ist einer der größten Renditekiller, die es gibt. Dieses Verhalten wird gerade durch den medialen Lärm in turbulenten Börsenphasen angefeuert. Auch Low-Cost-Broker fördern dieses Verhalten, da sie mit geringen Transaktionskosten werben und gleichzeitig die Hürde zum regelmäßigen Handeln senken.
Hier geht es zum ausführlichen Interview mit Martin Klatt von Beyond Saving

