Unternehmer und Ruhestand?

Irgendwann trifft es jeden, egal, ob Unternehmer oder Arbeitnehmer: Der Ruhestand steht vor der Tür. Wie gelingt der Übergang vom Erwerbsleben in einen erfüllten Ruhestand am besten?

Heilbronn, Dezember 2012. Für jeden Unternehmer stellt sich irgendwann im Laufe seines Erwerbslebens die Frage nach der Unternehmensnachfolge und dem eigenen Ruhestand. Interessanterweise ist es in der Praxis so, dass Betriebsinhaber diese Frage gerne vor sich her schieben. Oftmals rührt sie an Emotionen und löst in manchen Fällen auch konkrete Ängste aus. Die Auseinandersetzung mit dem Ende der Erwerbstätigkeit und dem „Danach“ fällt nicht leicht. Kann ich mein Lebenswerk aus den Händen geben? Wer kann das so gut wie ich? Ein paar Jahre kann ich schon noch weitermachen! Dies sind nur Auszüge aus dem Füllhorn an Selbstbeschwichtigungen, mit denen sich mancher Unternehmer umgibt.

Ein erster Schritt in die Richtung, sich mit dem Ende der eigenen Erwerbstätigkeit auseinanderzusetzen, kann die Betrachtung des Bündels an Maßnahmen sein, die man bereits getroffen hat, um die eigene Person im Unternehmen ersetzbar zu machen. Erfahrene Nachfolgeberater setzen bei ihrer Beratungstätigkeit auf die Simulation des Szenarios „Probesterben“. Das Verfahren hat den Vorteil, dass diffuse Ängste und Unsicherheiten auf ein konkretes Ereignis gerichtet werden, mit dem es sich auseinanderzusetzen gilt. Dabei geht es in erster Linie um betriebliche Inhalte wie z. B. die Frage nach der Geschäftsleitung und dessen Inhalten. Wer vertritt den Geschäftsführer im Ernstfall? Hat diese Person die erforderlichen Vollmachten, auch den Banken gegenüber? Hat sie Kenntnis über Pass- und Kennwörter für IT und Banking? Kennt sie die Ansprechpartner bei Zulieferern? Dies alles fassen Nachfolgeberater unter dem Begriff „Notfallkoffer“ zusammen. Aber auch im privaten Bereich sollte alles auf den Notfall eingestimmt sein. Testament, Erbregelungen, Gesellschaftsverträge, Vollmachten, all dies sollte möglichst detailliert vorliegen, damit im Ernstfall rasch und gezielt gehandelt werden und im Extremfall der Zerschlagung eines Unternehmens entgegengewirkt werden kann.

Langfristig planen
Umsichtige Unternehmer gehen noch einen Schritt weiter und sichern sich und ihr Unternehmen in einem Rundumpaket ab. Das betrifft auf der rechtlichen Seite die Ausfertigung von Ehe-, Erb- und Gesellschafterverträgen, auf der unternehmerischen Ebene wie bereits erwähnt den „Notfallkoffer“ und hinsichtlich des finanziellen Aspekts die Absicherung der Familie im Notfall bzw. den Aufbau von Lebensversicherungen für die Altersversorgung nach dem Ausscheiden. Und auch die Frage der Unternehmensnachfolge sollte in diesem Zusammenhang und im Interesse des Werterhalts des Unternehmens rechtzeitig angegangen werden. Das Spannungsfeld zwischen Unternehmensübergeber und Nachfolger ist nicht zu unterschätzen. Beide Seiten müssen mit Konfliktpotential rechnen. Das kann einerseits der Wertewandel als Interessenskonflikt zwischen den Generationen sein, auf der anderen Seite die gezielte Verzögerung der Übergabe aufgrund von fehlenden Visionen des Übergebers für die Zeit nach dem Unternehmen.

Rechtzeitig an Alternativen denken
Wie kann sie denn nun sein, die Zeit nach dem Abschied aus dem Unternehmen? Realistisch gesehen, sollte man sich auf ein Wechselbad der Gefühle einstellen, eine Achterbahnfahrt zwischen Zögern, Begeisterung, Ernüchterung und der schwierigen Zeit der Neuorientierung. Wer sich im Vorfeld bereits intensiv mit dem „Danach“ auseinandersetzt und nach Alternativen sucht bzw. sich ein Hobby zulegt, das einen ausfüllt, kann sein Wohlergehen wesentlich beeinflussen. Viele ehemalige Unternehmer engagieren sich z. B. als Wirtschaftspaten und bringen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten ein, um junge Unternehmen zu begleiten. Auch der Wunsch nach Weiterbildung steht ganz oben auf der Liste der Aktivitäten. Durch Online- oder Seniorenstudiengänge wird diesem Bestreben von vielen Bildungsträgern zunehmend Rechnung getragen. Neben gemeinsamen Aktivitäten mit Partner und Freunden sollte genügend Freiraum für sich selbst eingeplant werden, um schrittweise in dem neuen Lebensabschnitt anzukommen.
(Nicole Neuffer)

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